Auf der Fahrt zur Arbeit komme ich ins Grübeln, ich fühle mich überfordert. Bin wütend über seine Reaktion am Abend zuvor, er hat mir mit einem Schlag alle meine Träume genommen. Ich entscheide mich, ihn nach Hause zu schicken, denn ich sehe keine Zukunft mehr für uns in der Schweiz. Per SMS teile ich meinen Entscheid meiner Mutter mit, welche mich für den Abend zu sich einlädt. Marwen verbringt den Tag mit meinem Vater, er darf ihm bei der Arbeit zu schauen.
Als ich Abend im Elternhaus eintreffe ist Marwen bereits da, ich begrüsse ihn flüchtig. Ihm schien der Tag mit meinem Vater sehr gefallen zu haben, er ist richtig aufgestellt. Er setzt sich mit meinem jüngeren Bruder vor dessen Computer. Meine Eltern setzen sich mit mir am Küchentisch zusammen und ich teile meine Entscheidung auch meinem Vater mit, der etwas erstaunt aber auch erleichtert reagiert. So buche ich einen Rückflug für Marwen für den kommenden Tag. Ich kläre Marwen über meine Entscheidung auf und sage ihm auch, dass ich bereits ein Flugticket gebucht habe. Er sieht mich fassungslos an, sagt aber nichts. Er fragt, ob er telefonieren kann, ruft seinen Vater an. Er macht keinen unglücklichen Eindruck auf uns. Er möchte seinen Führerschein abholen, welchen er meinem Bruder zur Umschreibung überlassen hat, so verlässt er mit meinem Vater die Wohnung, meint zuvor aber noch ärgerlich zu mir "Warum machst du das?", schüttelt den Kopf und geht.
Ich fahre mit meiner Mutter in meine Wohnung, hole meine Wertgegenstände und hinterlasse in der Wohnung eine Nachricht für Marwen, dass ich die Nacht bei meinen Eltern verbringe, aber am nächsten Tag komme um ihn an den Flughafen zu begleiten. Auch diese Nacht finde ich kaum Schlaf.
Das Arbeiten fällt mir am kommenden Tag schwer, als ich um zwölf Uhr fertig mit Arbeiten bin, erhalte ich einen Anruf von Marwen. Er ist wütend, möchte das ich sofort nach Hause komme, ich sage ihm, ich wäre gleich da. Mit unangenehmen Gefühl im Bauch kehre ich Heim. Schon von Weitem kann ich ihn sehen, er steht auf dem Balkon mit verschränkten Armen und hält Ausschau nach mir. Ich betrete meine Wohnung, er kommt zu mir und meint "Warum kommst du erst jetzt?". Ich erkläre ihm das ich ja bis zwölf gearbeitet habe. "Ich gehe zum Zivilstandsamt um unseren Trautermin abzusagen, möchtest du mitkommen?". So begleitet er mich, versucht mich noch umzustimmen, aber ich bleibe bei meiner Entscheidung. Gemeinsam gehen wir in den nahgelegenen Supermarkt kaufen Schokolade und Kekse für seine Familie, natürlich fasst er seine 100sFr. nicht an. Er fragt mich, ob ich ihm noch ein Baseballcap kaufen könnte. Ich verneine, ich sehe keinen Grund dazu. Wir essen gemeinsam etwas und kehren dann in die Wohnung zurück um seine Koffer zu packen. Plötzlich umarmt er mich, versucht mich zu küssen, aber ich stosse ihn von mir und sage ihm, er solle das sein lassen. Er gibt nicht auf, zieht mich ins Schlafzimmer, drückt mich aufs Bett nieder. Nestelt sich am Gurt herum, möchte ihn öffnen, ich sage ihm das ich das nicht möchte, es scheint ihm egal zu sein. Ich nehme meine ganze Kraft zusammen, stosse ihn mit den Beinen zurück, treffe ihn mit einem Knie an seiner empfindlichsten Stelle, er taumelt rückwärts gegen den Schlafzimmerschrank, so komme ich los von ihm. Ich sage ihm, mein Vater komme gleich. Zehn Minuten klingelt es an meiner Türe, mein Vater ist da. Gemeinsam bringen wir Marwen zum Flughafen. Als er durch die Zollkontrolle geht, verspüre ich nur Erleichterung. Ich verbringe die nächsten Tage bei meinen Eltern.
Die nächsten Wochen verbringe ich wie in Trance, verspüre keinen Schmerz, realisiere gar nicht wirklich was geschehen ist. Ich treffe mich mit einem jungen Mann um auf andere Gedanken zu kommen. Gemeinsam gehen wir in eine Bar, trinken etwas zusammen, plaudern, haben Spass. Aber verspüre kein Interesse an ihm. Er fährt mich nach Hause, währenddessen erhalte ich eine SMS von Marwen. Ich merke in diesem Moment geschieht etwas mit mir, ich bin plötzlich traurig. Ich verabschiede mich von dem jungen Herrn und kehre in meine Wohnung zurück. In dieser Nacht träume ich von Marwen. Am nächsten Tag gehe ich arbeiten, aber ich muss die ganze Zeit an Marwen denken, es lässt mir keine Ruhe. Das Wochenende kommt, ich falle in ein tiefes Loch. Mit einem Mal wird mir bewusst, dass ich meine Entscheidung zu schnell getroffen habe. Ich schreibe ihm. Er antwortet, er ist mir nicht böse, entschuldigt sich für sein Verhalten. Ein paar Tage später telefonieren wir miteinander, ich fange mich an zu fragen, ob es für uns doch noch eine Chance gibt. Ich denke über die Möglichkeit nach, zu ihm nach Tunesien zu gehen. Ich verwerfe den Gedanken wieder. Das kommende Wochenende geht es mir noch schlechter, schliesse mich in der Wohnung ein, möchte keinen Kontakt zur Aussenwelt. Plötzlich stehen meine Eltern vor der Tür, sie nehmen mich mit zu sich, sie hatten sich Sorgen um mich gemacht, weil ich nichts von mir hören liess. Ich entscheide mich die Wohnung aufzugeben. So ziehe ich wenig später zu meinen Eltern. Meine Depression nimmt zu, so gehe ich auf Empfehlung meiner Mutter zur Ärztin. Mit ihr spreche ich über meine Situation, mein ganzes Erlebtes, meine Gefühle für ihn. Sie verschreibt mir ein Antidepressivum. Sie fragt mich, was ich am meisten möchte, ich erläutere ihr, dass ich am liebsten zu ihm gehen würde. Sie fragt mich, warum ich es nicht mache. So denke ich darüber nach, was mich daran hindert. Auch bei meiner nächsten Konsultation sprechen wir wieder über ihn. Ich merke immer mehr, ich kann ihn nicht loslassen. Ich denke über ein Leben mit ihm in Tunesien nach. Mache eine pro- und kontra Liste. Komme zur Feststellung, dass ich es mit ihm dort versuchen müsste, ich könnte ihn sonst nie vergessen. Ich würde es stets bereuen, wenn ich es nicht mache.
Ich spreche mit ihm über das Ganze, er freut sich. Ich werde mir immer sicherer, dass es auch das Richtige ist. Wir telefonieren wieder täglich miteinander, die Gefühle leben wieder voll auf, ab und zu haben wir auch Kontakt über MSN, ach tut es gut ihn über die Webcam zu sehen. Ich bin mir sicher, ich liebe ihn und ich möchte für immer mit ihm zusammen sein.
Ich setze das Antidepressivum ab und erzähle einer Freundin von meinem Vorhaben, sie unterstützt mich dabei. So kündige ich meine Arbeitstelle und informiere mich über die Beschaffung eines Ehefähigkeitzeugnisses. Da wir nur über die Botschaft das Ehefähigkeitszeugnis erhalten, fährt Marwen hin und möchte das Verfahren einleiten zur Beschaffung des EFZ. Jedoch möchte die Botschaft wieder einmal Bares sehen, bevor sie etwas in die Wege leiten. Zudem wollten sie eine Bestätigung meines Zivilstandsamt für dieses Verfahren. So organisierte ich diese Bestätigung, welche per Mail und Fax erfolgte. Erst danach gaben sie das okay zur Einleitung. Da Marwen zu dieser Zeit nicht viel Geld beiseite hatte, und ich mein voreilliger Entschluss vom März zuvor bereute, übermittelte ich ihm 450 Dinar per Western Union. Er gab mir den Bescheid, dass er das Geld bei der Botschaft einbezahlt hatte und das Verfahren eingeleitet wurde.
Ende Mai kamen meine Eltern hinter meine Pläne und waren enttäuscht, dass ich ihnen dies verheimlicht hatte. Jedoch akzeptierten sie meine Entscheidung und standen mir nicht ihm Weg. Sondern gaben mir zu verstehen, dass sie hinter meiner Entscheidung stünden und mir für meine Zukunft mit ihm nur das Beste wünschen. Mitte Juni war gemeinsamer Urlaub geplant mit meiner Mutter, in der Woche vor unserem Flug hatte ich immer noch keinen Bescheid vom Zivilstandsamt über das Verfahren, langsam stieg meine Nervosität. Einen Tag vor Reisebeginn bekam ich dann die erhoffte Mail vom Zivilstandsamt, ich konnte die Papiere vervollständigen und somit das Verfahren in der Schweiz zu Ende bringen. So flog ich am nächsten Tag einigermassen erleichtert in den Urlaub, nur noch der Bescheid vom kantonalen Amt fehlte noch und alles sollte klappen. Und es sollte klappen, jetzt konnte ich meinen Urlaub erst geniessen. Jedoch war die Situation zwischen mir und meiner Mutter nicht sehr einfach, denn sie war traurig das ich die Schweiz für ihn verlassen wollte.
Wir kehren aus unserem Urlaub zurück. Seit anfangs Juni besitze ich einen Hund, einen Chihuahua. Er wird mich nach Tunesien begleiten. Ich bin froh ihn zu haben, er wird das Gefühl geben nicht alleine auf mich gestellt zu sein. Mein Flug rückt immer näher. Am Wochenende vor meiner Abreise, sehe ich nochmals alle mir wichtigen Personen. Keiner von ihnen versucht es mir auszureden. So stehe ich wenige Tage später mit meinem Gepäck am Flughafen, meine Brüder, mein Vater und eine gute Freundin verabschieden mich. Meine Mutter und ich haben uns bereits Zuhause voneinander verabschiedet, da wir es für besser hielten, wenn sie nicht mit auf den Flughafen kommt. Ich nehme nochmals alle in meine Arme, unterdrücke die Tränen und gehe durch die Passkontrolle. Als ich am Gate stehe und später im Flugzeug sitze kommt mir alles so unwirklich vor. Meine Sitznachbarin ist eine junge Dame in meinem Alter, sie hat ihre halbjährige Tochter auf dem Schoss. Schnell kommen wir ins Gespräch, sie ist Tunesierin, wir vereinbaren in Kontakt zu bleiben. Wir kommen unserem Ziel Tunis immer näher, mein Herz flattert, endlich landen wir. Bei der Passkontrolle komme ich ohne Probleme durch, es interessiert sich keiner für meinen Hund. Ich bin erleichtert, hätte ich mir nicht so einfach vorgestellt. Ich nehme meine Koffer vom Band und gehe mit Sara (die junge Tunesierin) Richtung Ausgang. Ich sehe Marwen nicht gleich und werde nervös, und dann sehe ich ihn. Er kommt zu mir nimmt mich in den Arm, ich denke "Nun bin ich endlich angekommen". Gemeinsam gehen wir zum Pick-up, verstauen meine Koffer auf der Ladefläche und fahren nach Hause. Ich freue mich seine Familie wieder zu sehen, wie wird es wohl sein, frage ich mich.
Alle begrüssen mich herzlich, seine Mama drückt mich fest an ihre Brust und küsst meine Wangen. Marwen trägt mein Gepäck in unser Zimmer, er gibt mir zu verstehen, ich solle meine Koffer auspacken. Während dem ich meine Koffer öffne, legt er sich aufs Bett und schläft iner kürzester Zeit ein. Ich schaue ihm hin, bin frustriert, ich denke mir "Soll dies mein erster Abend hier sein?". Ich schaue mich um nach Handtüchern, entdecke aber nichts, denn ich habe das Verlangen nach einer ausgiebigen Dusche. So wecke ich ihn und gebe ihm zu verstehen, dass ich gerne eine Dusche nehmen würde, aber dafür noch kein Handtuch besitze. Er drückt mir genervt ein Handtuch in die Hand und legt sich wieder hin. In der Zwischenzeit gehe ich duschen, verpflege dann meinen Hund. Marwen beobachtet mich und bittet mich, mich zu ihm aufs Bett zu setzen. Ich folge seiner Bitte. Er legt seinen Arm um mich und zieht mich zu ihm heran, wir küssen uns. Ach, hat er mir doch gefehlt, ich geniesse seine Nähe. Mit der Zeit frage ich ihn, wann er gedenke zur Botschaft zu fahren, um mein Ehefähigkeitszeugnis abzuholen. "Wir können Morgen gehen, wenn du magst. Wir müssen aber noch 350 Dinar bezahlen. ". Ich bin verwundert und frage ihn warum wir 350 Dinar einbezahlen müssen, er entgegnet das die ihm das so mitgeteilt hätten. Ich verstehe nicht ganz, hacke nochmals nach "Warum den? Wir haben doch bereits 450 Dinar einbezahlt.". Er bejaht, ich bin misstrauisch "Du hast doch 450 Dinar einbezahlt?" Er zögert, nun möchte ich es genau wissen. "Ich habe 100 Dinar einbezahlt.", "Was ist den mit den vorigen 350 Dinar, die musst du ja noch haben. Ich habe dir ja ausdrücklich gesagt, das Geld sei nur fürs Konsulat". Er schweigt, ich bebe innerlich. "Wo sind diese 350 Dinar?". Er beichtet mir diese für anderes ausgegeben zu haben, ich kann es nicht glauben. Ich frage warum, aber er senkt bloss seinen Blick. Ich kann es nicht glauben, ich fühle mich von ihm angelogen, gebe ihm zu verstehen das ich es nicht in Ordnung finde, was er gemacht hat. Er versucht mich zu besänftigen, ich schüttle den Kopf "Wie kannst du nur? Warum hast du mich nicht gefragt? Warum teilst du mir das nicht mit? Warum erst wenn ich dich danach frage?". Er zögert wieder, "Bitte verzeih mir, vergesse es.". "Ich kann es nicht einfach vergessen, ich habe dir vertraut. Ich habe kein Vertrauen mehr zu dir.". Ich bin wütend, komme in rage "Ich gebe alles für dich auf in der Schweiz, vertraue dir, gebe dir das Geld, glaube dir, komme hierhier und was machst du? Ich kann es nicht fassen..". Er versucht mich zu beruhigen "Vergiss es bitte, habe Vertrauen zu mir. "Ich kann es nicht, du hast mein Vertrauen ausgenützt. Ich weiss im Moment nicht, ob ich dir wieder vertrauen kann. Ich brauche Zeit.". Was jetzt, will er wissen. Wir entschliessen uns trotzdem am nächsten Tag zur Botschaft zu fahren. Als wir zu Bett gehen, kommen mir die Tränen. Er nimmt mich in den Arm, ich lasse es zu und schlafe ein.
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, ich nehme mir noch einen Kaffee für unterwegs. Ich bin noch immer wütend und starre während der Fahrt aus dem Fenster. Marwen schaut mich von der Seite an "Schatzi, vergiss es doch bitte, manchmal bist du echt verrückt". Wir kommen bei der Botschaft an, Marwen macht beim Einparken, noch einen kleinen Unfall, mir ist es gleichgültig, ich sage auch nichts dazu. Marwen spricht mit dem Mann von der Botschaft, wir sollen noch einen Moment warten, dann können wir mein EFZ in Empfang nehmen. Ich möchte noch gerne mit einer deutschsprechenden Person sprechen, es wird mir versprochen das Jemand komme. So nehmen wir Platz, und warten geduldig. Nach einer halben Stunde bekommen wir das EFZ überreicht. Eine Dame tritt an den Schalter und wendet sich mir zu. Ich frage sie "Wie muss ich nun genau vorgehen, um mich vertraglich abzusichern?". Sie gibt mir eine Liste von Anwaltskanzleien, meint dann jedoch "Ich möchte Sie über etwas aufklären. Sie können zwar einen Vertrag erstellen, zu Ihrer Absicherung, dass wurde Ihnen bestimmt schon im Vorfeld gesagt.". Ich bejahe und sage ihr, dass ich mich im Voraus an verschiedensten Stelle darüber informiert habe und ich genau diese vertragliche Absicherung machen möchte. "Ja nun ist es, dass Sie das können. Aber sollte es zu einer Kriesensituation kommen, werden diese Verträge nicht zur Anwendung kommen, sondern nur das tunesische Recht.". Ich blicke sie irritiert an "Aber für was mache ich den einen Vertrag, wenn er nicht zur Anwendung kommt, das macht ja keinen Sinn.". Sie gibt mir Recht "Ja dem ist so, Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie diese Ehe eingehen wollen, man kann eine Ehe hier nicht mit einer Ehe in Europa vergleichen.". Ich schlucke schwer "Das heisst, ich werde durch diesen Ehevertrag von meinem Mann bevormundet. Ich würde in der Schweiz ja mich auch nicht von meinem Ehepartner bevormunden lassen.". "Sehen Sie, Sie bräuchten eine Ausreisebestätigung, wenn Sie das Land verlassen wollen würden, auch wenn es nur um eine Reise geht zu Ihren Eltern. Komplizierter wird es noch, wenn Sie Kinder wollen, die Kinder gehören automatisch dem Vater, sie haben bei einer Scheidung nie Anspruch auf das Sorgerecht. Es kommt noch besser, der Mehrverdienende hat dem Anderen nach einer Scheidung Unterhaltsleistungen zu bezahlen, in diesem Falle Sie. Wie gesagt dieser Schritt sollte gut überlegt sein. Sie sind ja noch jung, lassen Sie sich noch Zeit. Das Ehefähigkeitszeugnis ist sechs Monate gültig, nutzen Sie diese Zeit um sich dieser Entscheidung sicher zu werden.". Ich danke ihr das sie mir gegenüber so ehrlich ist. Marwen stand die ganze Zeit neben mir, hat jedoch kein Wort davon verstanden. Nachdenklich fahre ich mit ihm zurück nach Hammamet. Ich mache für mich den Entschluss ihn nicht zu heiraten, einen solchen Vertrag kann ich einfach nicht eingehen, könnte ich mit meinem gewissen nicht vereinbaren. Auf der Fahrt vermittelt er mir, dass er später zur Arbeit gehe, ich bin enttäuscht und bitte ihn den ersten Tag mit mir zu verbringen. Er gibt zwar nach, ich merke aber das er sich darüber ärgert. Wir gehen gemeinsam an den Strand, spielen mit dem Hund. Geniessen den Augenblick. Kehren dann langsam wieder zurück nach Hause. Als wir ankommen, treffen wir eine Nachbarin Nadja an, eine Deutsche verheiratet mit einem Tunesier. Er stellt uns einander vor. Kurz entschlossen gehe ich mit zu ihr Nachhause. Wir plaudern ein wenig, ihren Mann kenne ich schon von meinem ersten Urlaub in Tunesien. Sie kennt daher unsere Vorgeschichte. Ich erzähle ihr von meiner Ankunft, dem verlorenem Vertrauen und von der Botschaft. Sie hört mir interessiert zu und kann mein Unbehagen verstehen. Ich bin froh mit ihr über das erlebte sprechen zu können. Auf einmal steht Marwen vor der Tür, er möchte das ich mit nach Hause komme, fragt Nadja über was wir geredet haben. Sie meint zu ihm, dass er nicht alles wissen muss.
Am späteren Abend teilt er mir mit, er müsse einen Klienten von einem Hotel abholen und zur Diskotheke fahren, er fährt Taxi im Taxiunternehmen seines Vaters. So verbringe ich den Rest des Abends alleine. Er kommt erst spät morgens wieder zurück. Am kommenden Morgen schläft er lange aus und geht um ein Uhr Nachmittags zur Arbeit, auch in dieser Nacht kommt er erst gegen Morgen nach Hause. Er teilt mir mit das er nun jeden Tag von ein Uhr nachmittags bis circa ein Uhr nachts arbeiten werde. Ich bin nicht erfreut über diese Mitteilung und sage ihm das auch. Keine Reaktion. Na gut, vorerst gebe ich mich damit zufrieden, wir schlafen miteinander, er dreht sich zur Seite und schläft ein. Die Tage verbringe ich mit Nadja, wir verstehen uns prächtig. Wir vereinbaren am Freitag zusammen auf den Kamelmarkt zu gehen, ihr vierjähriger Sohn Daniel wird uns begleiten.
Freitagmorgen, ich stehe schon früh auf. Ich verabschiede mich von Marwen und gehe mit Nadja auf den Kamelmarkt. Ich verbringe einen angenehmen Morgen mit ihr. Wir sprechen über Marwen. Sie findet es auch eigenartig das er so viel arbeiten geht und erzählt mir dass er erst zur Arbeit geht, seit ich da wäre. Ich nehme mir vor mit ihm darüber zu sprechen. Als ich zurückkomme spreche ich ihn darauf an, er meint nur er hätte eben erst seinen Taxibrief bekommen. Ich beklage mich, dass ich ihn nie sehe da er so viel arbeite und dass ich gerne mehr Zeit mit ihm verbringen würde. Das ich nicht gerne mit seinen Eltern alleine zu Abend esse, dass er mir fehle und das ich ja wegen ihm nach Tunesien gekommen wäre. Er geht nicht auf mich ein und meint, er müsse bald los. Ich ärgere mich über seine Reaktion.
Als er spät nachts nach Hause kommt, klammere ich mich an ihn und versuche noch mal ihn auf meine Situation aufmerksam zu machen. „Ich liebe dich Schatz, was soll ich machen? Soll ich etwa nicht mehr arbeiten gehen? Möchtest du einen Bazar eröffnen? Dann brauchen wir aber Geld, du müsstest bei deiner um einen Kredit bitten.“. Ich erwidere „Die geben mir keinen Kredit, ich habe mich in der Schweiz abgemeldet, dass weisst du doch. Zudem möchte ich das nicht.“. „Dann fragst du eben deinen Vater um Geld!“. Ich klatsche ihm eine „Geht’s noch? Bestimmt nicht. Mein Vater würde mir auch keines geben!“. „Siehst du, dann nerv mich nicht mehr damit.“. Er dreht sich zur Seite und schläft.
Am nächsten Tag erfahre ich von Nadja das Marwen anscheinend auf dem Standesamt war und einen Termin für den nächsten Dienstag vereinbart hat. Als ich ihn darauf anspreche, meint er „Ja dann heiraten wir endlich“. Ich erwidere „Du weisst, dass ich so nicht glücklich bin, ich kann dich so nicht heiraten, es muss sich was an der Situation ändern. Ich sehe dich ja kaum, ich könnte keinen Mann heiraten, denn ich nie sehe.“. „Ja Schatz, ich schaue was sich machen lässt, ich spreche mit meinem Vater.“. Er möchte mit mir Schlafen, ich bin zwar nicht in Stimmung, gebe aber doch nach.
Die nächsten Tage geht es im gleichen Trott weiter, ich bringe mein EFZ und mein Geld zur Aufbewahrung zu Nadja, da ich mir sicher war das ich ihn nicht heiraten möchte. Nadja und ich verstehen uns von Tag zu Tag besser, mit ihr kann ich über alles reden, auch sie erzählt mir einiges aus ihrem Leben. Ich esse öfters bei ihr, helfe ihr wo ich nur kann. Es kommt aus, dass Marwen doch nicht beim Standesamt war. Nun bin ich noch mehr wütend, er lügt mich tatsächlich an, auch Nadja kann dies nicht verstehen. Auch zu ihrem Mann hat er gesagt, dass er einen Termin auf dem Standesamt ausgemacht hatte. Ich konnte ihn nicht verstehen.
Ausnahmsweise kam er zum Abendessen mit seiner Familie, die Stimmung war recht gut. Nach dem Essen ging er wieder zur Arbeit und ich blieb mit den Eltern auf dem Balkon. Da erzählt mir sein Vater, dass Marwen von sich aus so viel arbeitet, er müsse das nicht. Mir kommen die Tränen, mir kommt der Gedanke, er möchte keine Zeit mit mir verbringen, er geht mir absichtlich aus dem Weg.
Die Mutter reicht mir ein Glas Tee und sagt zu mir morgen wird geheiratet. Ich schaue sie verdutzt an, und der Vater nickt mir glücklich zu. Ehe ich mich versehe, nimmt sie mich beim Arm und geht mit mir in Richtung Hennatante, ich solle nun mein Hochzeitshenna bekommen. Unglücklich gehe ich neben Saida her. Die Hennatante hat aber keine Zeit, wir werden auf den nächsten Morgen vertröstet. Ich juble innerlich.
Am nächsten Morgen um 8 Uhr klopft es an unserer Zimmertüre, Saida. Marwen sagt zu mir, ich müsse zum Henna gehen. Ich sage „Marwen, ich möchte noch warten mit der Heirat. Ich möchte mit meinen Eltern in Begleitung diesen Schritt wagen.“. Er richtet dies seiner Mutter aus, Saida und Ridha (der Vater) kommen ins Zimmer fragen mich „Warum denn?“. Ich erkläre dass ich meine Eltern dabei haben möchte, sie zeigen sich verständlich und verlassen unser Zimmer. Marwen ist wütend „Du machst mir Probleme, wie stehe ich vor meinen Eltern da, wenn meine Braut möchte zuwarten“. Nun werde ich auch wütend „Du möchtest ja nicht mal eine Feier, nur schnell den Ehevertrag unterschreiben und dann wieder zur Arbeit. Wie soll ich das empfinden? Ich möchte wenigstens meine Eltern in diesem Moment zur Seite haben!“. Er legt sich wieder hin und döst. Ich höre Jemanden rufen, Nadja steht unter unserem Balkon. „Kommst du zum Mittagessen vorbei, haben noch einen weiteren Gast.“ Ich nehme die Einladung an. Ich gebe Marwen Bescheid, er meint es sei in Ordnung, er gehe später zur Arbeit. Ich überlege mir, wer der weitere Gast sein könnte. Ah na klar, der Arbeitskollege von ihrem Mann, ich habe mich als ich ihn mal gesehen habe, geäussert das ich ihn symphatisch finde und gerne mit ihm Kontakt hätte, da er auch deutsch spricht. Also ich hatte ein rein platonisches Interesse an ihm.
Freudig ging ich rüber zu Nadja, sie kochte gerade Spaghetti mit Meeresfrüchten. Mein Verdacht bestätigt sich, der weitere Gast ist der Arbeitskollege ihres Mannes. Die Männer kommen und wir setzen uns alle an den Tisch. Da klingelt mein Handy, Marwen. Er möchte dass ich sofort runter, vors Haus komme, er wartet auf. Genervt füge ich mich und entschuldige mich für einen Moment. Mit verschränkten Armen sitzt er auf der Treppe. „Was soll das?“ Fragt er mich. Ich verstehe ihn nicht, was er meint. „Warum kommt dieser Mann zu Nadja und isst mit dir zu Mittag? Was läuft da?“ „Es läuft gar nichts, er ist wie ich zu Gast und isst da bloss zu Mittag.“. „Amine hat ihn für dich eingeladen, willst du mich verarschen?!“. Nun werde ich wütend „Bestimmt nicht, du kennst mich doch. Ich bin bloss zum Essen hier eingeladen und nun gehe ich essen, das hier ist mir zu blöd.“. Ich drehe ihm den Rücken zu und gehe zurück zu Nadja. Keine zwei Minuten später steht er in der Tür, setzt sich an den Tisch und starrt alle wütend an. Ich schaue hilflos zu Nadja, sie zuckt mit den Schultern. Ich gehe ins Wohnzimmer zu Daniel, Marwen folgt mir, setzt sich neben mir auf die Couch. „Was soll das nun?“ frage ich ihn. „Ich möchte dass du nun sofort mit mir nach Hause kommst. Ich möchte nicht, dass dich ein anderer Mann ansieht oder mit dir spricht. Hast du mich verstanden?“ „Ja ich habe dich verstanden, aber ich sehe das anderst. Ich werde nun hier essen, schliesslich wurde ich eingeladen. Mit dem anderen Mann ist ja nichts dabei, ich liebe dich. Ich komme nach dem Essen nach Hause, versprochen.“. „Gut, du kommst dann nach Hause, ich warte auf dich“. Ich möchte gerade in die Küche gehen, da spüre ich seine Faust auf meinem Rücken, er reisst mich herum, küsst mich bestimmt und geht. Ich blicke ihm irritiert nach. Nadja kommt ins Wohnzimmer und blickt mich vielsagend an. Ich esse nur wenig, ich bekomme kaum etwas runter. Die Männer kehren zur Arbeit zurück. Als ich und Nadja alleine am Tisch sitzen, schaut sie mir tief in die Augen. „Er hat dich vorhin geschlagen, oder? Ich habe es gehört, den Schlag haben alle gehört. Amine wollte gerade ins Wohnzimmer kommen, als Marwen auch schon durch die Tür trat.“. „Ja er hat mich geschlagen, es war nicht das erste Mal, nur dieses Mal hat er kräftiger zu geschlagen, ansonsten war es immer spielerisch.“. Mein Handy klingelt „Ich muss gehen, es ist Marwen. Er wartet auf mich. Ich möchte ihn nicht noch mehr verärgern.“.
Ich komme gerade durch die Tür, als er auf mich zustürmt, mich bei den Handgelenken fasst und Richtung Bett zehrt. So setzte ich mich zu ihm hin. „Willst du was von ihm? Du wirst ihn nicht wieder sehen.“. „Ich möchte ihn ja gar nicht unbedingt wieder sehen, ich kenne ihn ja auch nicht wirklich.“. „Du wirst in Zukunft mit keinem anderen Mann mehr sprechen, ist das klar?!“. „Natürlich werde ich noch mit anderen Männern sprechen, du kannst mir das nicht verbieten! Ich bin Europäerin, für mich ist es normal das ich auch mit Männern befreundet bin, genau so wie ich es Frauen bin. Ich lasse mir nicht verbieten mit anderen Männer eine kollegiale Freundschaft zu haben.“. Seine Gesichtszüge werden brutal „Doch ich verbiete dir das, ich dulde das nicht. Ich verbiete dir auch in die Medina zu gehen. Zu Nadja nach Hause wirst du auch nicht mehr gehen. Hast du verstanden? Du bist meine Frau, du hast zu tun, was ich dir sage.“. Ich entgegne „Du vergisst, wir sind noch nicht verheiratet und selbst wenn, ich lasse mir nichts verbieten!“. Ich stehe auf, da packt er mich, wirft mich aufs Bett, setzt sich auf mich und greift mir mit beiden Händen an den Hals. „Wage es ja nicht mir nicht zu gehorchen. Solltest du noch einmal in die Medina oder zu Nadja gehen, dann siehst du was ich mit dir mache?“. Er drückt mit den Händen leicht zu, ich spüre Panik in mir aufkommen. „Ist das klar?! Ich wäre fähig dich umzubringen, also verärgere mich nicht indem du dich meinen Anweisungen widersetzt. Ok?“. Er drückt noch fester zu, ich bekomme kaum Luft. Er lässt meinen Hals los, ich atme tief ein. Und bejahe seine Frage. Ich zittere am ganzen Körper. Noch immer lässt er nicht von mir ab, fragt mich „Gehen wir nachher an den Strand?“ Ich sage ihm das mir nicht danach sei. Er „Na gut, dann ich gehe ich nachher zur Arbeit!“. Dann schiebt er meinen Rock hoch, ich versuche ihn wieder nach unten zu ziehen, aber er hindert mich daran. Er nestelt an meinen Top herum, greift mir an den Busen, ich versuche mich zu wehren, Fehlanzeige. Er zieht sich sein Hemd aus, ich versuche von ihm loszukommen, unsanft stösst er mich zurück aufs Kissen. Er zieht weiter seine Shorts samt Boxershorts aus, ich sage zu ihm „Ich möchte jetzt nicht, hörst du?“, keine Reaktion er macht weiter. „Bitte Marwen, ich will nicht!“. Er hört nicht, sondern schiebt meinen Rock weiter nach oben. Ich flehe ihn an „Bitte lass mich, ich möchte das nicht!“. Er versucht meinen Slip herunter zu ziehen, ich setze mich endgültig zur Wehr. Versuche von ihm weg zu kommen, ich habe keine Chance. Er drückt mir seine Lippen auf meine, küsst mich am Hals abwärts Richtung Brust. Immer wieder flehe ich ihn an aufzuhören, erfolglos. Er versucht mir die Beine auseinander zu drücken, ich lasse es nicht zu. Wir kämpfen regelrecht miteinander, er drückt mich noch mehr ins Kissen, probiert noch mal meine Beine auseinander zu drücken, ich schlage ihn auf Rücken, Gesäss, kratze ihn mit meinen Nägeln. Wütend fasst er mich an den Schultern, schüttelt mich. Ich schreie ihn an, er solle jetzt sofort aufhören! Plötzlich gibt er auf. „Ich wusste, dass du so bist.“ meint er zu mir verschwindet ihm Bad, kommt wieder „Ich bin erregt, ich will jetzt!“. Nein forme ich mit meinen Lippen. „Hilf mir das ich komme, sofort!“. Ich blicke ihn nur angewidert an und sage bestimmt „Nein!“. Er schliesst die Badezimmertüre hinter sich, kommt nach einiger Zeit wieder hinaus, zieht sich an. „Wenn du gehen willst, kannst du es nur sagen! Du kannst dich entscheiden, entweder du bleibst oder du gehst? So lasse ich mich aber nicht von dir behandeln! Ich gehe jetzt arbeiten!“. Dann geht er durch die Tür. Wenig später kommen seine Eltern nach Hause, und er fährt mit dem Auto fort. In meinen Kopf rattert es, mir wird bewusst ich muss hier sofort weg. Nadja kommt vorbei, ich sage ihr das ich sofort gehen werde, sie nimmt ein paar Hundeutensilien mit sich und meint ich solle nachher nachkommen. Ich fange an meine Kleider zu packen, rufe Marwen an und sage ihm das ich gehe. Ich packe weiter, nach ein paar Minuten kommen seine Eltern ins Zimmer. Er hat sie also angerufen! „Was machst du Aileen? Du willst doch nicht gehen. Du und Marwen seid wie Kinder, ihr liebt euch doch? Nein, nein Aileen. Komm trink mit uns einen Kaffee.“. Während Ridha auf mich einredet, packt Saida meine Sachen wieder aus und versorgt es im Schrank. Ich merke, ich habe keine Chance, ich bin Ihnen ausgeliefert. So füge ich mich, gehe mit Ridha auf den Balkon, nehme auf einem Stuhl platz. Saida bringt uns den Kaffee und nun redet sie auf mich ein, versucht mir zu sagen, dass Marwen der Mann für mich wäre, dass ich ihn liebe und er mich auch, dass wir ohne einander nicht mehr können. Wir seien wirklich wie kleine Kinder, aber sie schauen schon, dass wir bald heiraten. Ach du wirst eine schöne Braut sein, sie versucht mich richtig einzulullen. Ich höre ihr nicht mehr länger zu, nicke bloss, in Gedanken sage ich zu mir, du musst einen Weg finden, da wieder heil raus zu kommen. Wenig später meint Saida, ich solle sie in die Stadt begleiten. Ich sage ihr, dass ich aber mit Nadja etwas in die Stadt wolle, wir wollten etwas Shoppen gehen. Ich gehe ins Zimmer, wähle Marwens Nummer und frage ihn um Erlaubnis. Er erlaubt es mir, jedoch möchte er, dass wir mit ihm mitfahren. So sage ich, es wäre okay. Seinen Eltern sage ich, dass ich mit Marwen telefoniert habe und es für ihn okay wäre, dass er es mir erlaubt hätte. So nahm ich meine Handtasche und gehe zu Nadja.
Sie freut sich über mein kommen „Ich habe mir schon Sorgen gemacht, ich habe gesehen wie Saida deine Sachen wieder ausgepackt hat und wie du mit ihnen auf der Veranda sitzen musstest.“. „Ich darf mit dir etwas in die Stadt fahren, Marwen erlaubt es mir. Wir müssen aber mit seinem Taxi mitfahren.“. „Na gut gehen wir“. So warten wir am Taxistand auf Marwen, er fährt zu uns hin. Ich möchte gerade hinten einsteigen, als er mir befiehlt vorne einzusteigen. Ich nehme neben ihm Platz. Er schüttelt den Kopf und sagt zu Nadja „Siehst du wie sie mich behandelt? Sie ist verrückt!“ Nadja antwortet „Ihr seid beide etwas verrückt!“. Ich versuche mit ihm zu reden, er herrscht mich an „Nicht hier! Wir reden Zuhause!“. Ich schweige, streichle meinen Hund, starre vor mich hin. Sage etwas Liebes zu ihm. Er lächelt mich an. Wir kommen in der Nähe der Medina an, er lässt uns aussteigen. Ich trete zu ihm ans Fenster, bedanke mich fürs Fahren, er lächelt mich an „So gefällst du mir, ich liebe dich“. Ich säusle „Ich dich auch, es tut mir leid. Wann kommst du heute Abend? Nicht zu spät, ja? Ist du mit mir zu Abend?“. „Ja ich werde da sein.“ Danke hauche ich und drücke ihm einen Kuss auf die Wange „Dann bis später!“. Nadja und ich setzen uns in das nächste Café. „Wow, du hast ihm ja richtig Honig um den Mund geschmiert?“. „Ja, ich muss ihm wohl im Glauben lassen, dass seine Eltern mich umgestimmt haben, sonst komme ich wohl nicht weg von ihm.“. Sie gibt mir recht und wir überlegen uns, wie ich es anstellen könnte. Schlussendlich kommen wir zum Entschluss, dass ich ihm irgendwie bestimmt sagen muss, dass ich gehe und dann wirklich gehe und mich nicht aufhalten lasse. Nur wie soll ich das anstellen, frage ich mich. „Du brauchst nun viel Kraft und Mut, ich bin für dich da, aber von ihm weg gehen, musst du alleine, da kann ich dir nicht helfen.“. Ich danke ihr, dass sie so für mich da ist.
Wir kehren nach Hause zurück. Ich sitze zu seinen Eltern auf die Veranda, rede ein wenig mit Ridha. Saida bereitet das Abendessen zu. Marwen erscheint pünktlich zum Essen, er lächelt mir zu. Nachdem Essen gehe ich ins Badezimmer, Marwen folgt mir. Ich wasche mir die Hände, er tut es mir gleich. Dann stürze ich mich in seine Arme, sage ihm wie sehr ich ihn liebe. Küsse ihn, er geht drauf ein, ich küsse ihn am Hals, dass mag er ganz besonders. Ich merke, dass er erregt ist. „Bitte komm nicht zu spät nach Hause.“ säusle ich ihm ins Ohr. Er verspricht mir nicht zu spät zu kommen und geht wieder zur Arbeit. Als ich wieder alleine im Zimmer bin, ekle ich mich vor mir selber und überlege wie ich am nächsten Tag vorgehen sollte. Ich schmiedete einen Plan, hoffentlich klappt es auch denke ich mir. Irgendwann gehe ich zu Bett nachdem ich mit meinem Hund noch Gassi war und ihn versorgt habe. Marwen kommt frühmorgens nach Hause. Ich schlafe mit ihm, um ihn nicht misstrauisch zu stimmen, jedoch verlangt es mir viel ab, mir nicht anmerken zu lassen, dass es mir nicht gefällt. Doch er nimmt nicht wahr, dass es für mich ein Müssen ist. Er kommt zu seinem Höhepunkt und ist glücklich.
Am nächsten Morgen bin ich wie immer vor ihm wach. Ich mache mir einen Kaffee unterhalte mich mit Ridha, erzähle ihm das ich meinen Hund und den Laptop später Nadja rüberbringe, da sie gerne mein Internet nutzen wollte. Chester, mein Hund nehme ich wegen ihrer Hündin mit, dass er mit ihr spielen kann. Ridha zeigt sich verständlich. So gehe ich kurze Zeit später mit Hund und Laptop bepackt zu Nadja. Ich erkläre ihr, dass ich kurz nach Mittag ganz kommen werde, wenn es mir gelingt, ich wollte schon mal meinen Hund und meinen Laptop in Sicherheit bringen. Sie nickt, dann toi toi sagt sie zu mir.
Ich kehre zum Haus zurück, setze mich mit Ridha zusammen, wir essen gemeinsam zu Mittag. Dann gehe ich wieder ins Schlafzimmer, mittlerweile ist halb eins, ich wecke Marwen. „Schatz, es ist halb eins, ich denke du solltest aufstehen.“. Er steht auf und geht unter die Dusche. Ich nutze die Gelegenheit und packe mir alles Wichtige in den einen Koffer, ich habe ihn gerade verschlossen, als Marwen von der Dusche zurückkehrt. Er blickt irritiert vom Koffer zu mir. „ Ich gehe! Diesmal lasse ich mich nicht aufhalten, ich wollte schon gestern gehen.“. Er stösst mich gegen die Wand und schreit mich an „Nein!!! Du bleibst hier, du bist meine Frau! Du gehst nirgendwo hin!“. „Doch ich gehe, ich lasse mich nicht so von dir behandeln, ich bin nicht dein Eigentum!“. „Du bleibst da, ich befehle es dir.“. Ich packe meinen Koffer und versuche an ihm vorbei zu kommen, er entreisst mir meinen Koffer, schleudert ihn gegen die Wand. Holt aus und schlägt mir mit der flachen Hand mit ganzer Kraft ins Gesicht, ich verliere das Gleichgewicht und taumle gegen die Wand. Mir treten Tränen in die Augen „Ich wusste es, dass du so bist. Ich wusste das du mich schlägst!“. Er schreit mich an „Schlampe, du möchtest zu ihm!“. Ich zittere am ganzen Körper. Er holt erneut aus, doch da steht auf einmal sein Vater im Zimmer. „Lass sie gehen, wenn sie das möchte.“. Ich erkläre ihm „Wir passen nicht zueinander, Marwen sollte sich eine Tunesierin zur Frau nehmen, mit einer Europäerin funktioniert es nicht. Wir haben zu verschiedene Kulturen, es geht einfach nicht. Ich gehe in ein Hotel bis ich nach Hause fliege. Ich danke euch aber für alles, was ihr für mich getan habt.“. Ridha zu mir „Ist schon gut, du brauchst mir nichts zu erklären.“ Er fordert Marwen auf meinen Koffer nach unten zu tragen. Vor der Garage steht bereits das Taxi, Marwen sollte zur Arbeit. Ridha nimmt mich noch mal in den Arm „Schau zu dir, alles Gute. Aufwiedersehen“. Er geht ins Haus zurück. Ich wende mich Marwen zu, nehme meinen Koffer beim Griff. „Sehe ich dich noch vor deinem Abflug?“. Nein, antworte ich. „Ich bringe dich ins Hotel!“. Nein, sage ich bestimmt. „Bekomme ich dein Handy?“. „Nein, bestimmt nicht, machs gut, bye!“ mit diesen Worten drehe ich mich um und gehe. Ich schaue nicht mehr zurück. Nadja kommt mir vor dem Haus entgegen und hilft mir mit meinem Koffer „Du hast es geschafft, du hast es tatsächlich geschafft!“. Noch immer zittere ich am ganzen Körper, sie nimmt mich in ihre Arme „Nun wird alles Gut, versprochen!“.
Die erste Nacht verbringe ich bei Nadja und Amine zu Hause, wir sprechen über meine Flucht. Ein ungutes Gefühl begleitet mich immer noch, ich fühle mich nicht ganz sicher. Schliesslich wohnt Marwen nur zwei Häuser entfernt. Am nächsten Tag vermittelt mir Amine eine Ferienwohnung, welche ich dankbar beziehe. Die Wohnung gehört dem Polizeipräsident von Tunesien, nun fühle ich mich sicher, hier kann mir nichts passieren. Marwen wird mich nicht finden. Tatsächlich sucht er nach mir, wie ich von Nadja höre. Gemeinsam mit Amine und Nadja gehe ich in ein Reisebüro und buche einen Flug für den kommenden Dienstag. Nur noch vier Tage denke ich erleichtert. Während diesen vier Tagen ging ich keinen Schritt alleine, blieb mehrheitlich in der Wohnung, weil es sicherer war. Ich lebte mit der Angst, in der Öffentlichkeit von ihm entdeckt zu werden.
Am Dienstag brachten mich Amine, Nadja und ihr Sohn Daniel auf den Flughafen. Ich bedankte mich mehrmals bei ihnen für ihre Hilfe, ich hatte wirklich riesiges Glück sie beide kennen gelernt zu haben. Ohne ihre Unterstützung hätte ich nicht den Mut gehabt von Marwen weg zu gehen. Nadja kamen Tränen als wir uns voneinander verabschieden, mir geht es genau so. Nochmals nehmen wir uns fest in die Arme und halten uns lange fest. Auch Amine nimmt mich in seine Arme dann verabschiede ich mich endgültig und gehe durch die Passkontrolle. Ich warte am Gate, der Flug hat eine Stunde Verspätung, ich bin nervös. Erst als ich dann im Flugzeug sitze, es abhebt beruhige ich mich langsam. Als wir dann endlich in Zürich landen, treten mir vor Erleichterung Tränen in die Augen „Ich bin zu Hause“ sage ich zu mir selbst und falle wenig später meinem Vater in die Arme. „Nun bin ich endgültig in Sicherheit“ denke ich mir.